FAUST-Preisträgerin Jana Vetten bringt erste Inszenierung nach Preisverleihung auf Heidelberger Bühne
Premiere / 28. Februar 2026 / 19:30 Uhr / Marguerre-Saal
Eine Antikenüberschreibung nach Euripides, Aischylos und Sophokles von Tine Rahel Völcker
Am Samstag, 28. Februar 2026, um 19:30 Uhr feiert das Theater und Orchester Heidelberg im Marguerre-Saal die Premiere von »We Are Family«.
Erst im November 2025 wurde Regisseurin Jana Vetten für ihre letzte Heidelberger Inszenierung »Nora« mit dem Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie »Regie Schauspiel« ausgezeichnet. Nun kehrt sie mit einem vielschichtigen antiken Stoff in neuem Gewand zurück nach Heidelberg.
»We Are Family« entstand 2024 als Auftragswerk für das Schauspiel Köln. Für Heidelberg schrieb Autorin Tine Rahel Völcker einen neuen Schluss, der nun in Vettens erster Inszenierung nach der Preisverleihung zur Uraufführung kommt.
Kampf der Geschlechter und neue Gesellschaftsordnung
Klytaimnestra hat die Macht in Mykene übernommen. Ihren Mann Agamemnon ermordete sie zuvor bei dessen Heimkehr aus dem trojanischen Krieg, aus Rache für den Tod ihrer Tochter Iphigenie. Die junge Frau wurde von Agamemnon geopfert für »günstige Winde«. Jetzt versucht Klytaimnestra, einen weiblich geprägten Gegenentwurf der Macht aufzustellen. Doch ihre zweite Tochter Elektra schlägt sich auf die Seite des toten Vaters. In die Machtkämpfe einer der schwierigsten Mythenfamilien Griechenlands gerät zudem Phryne: Sie ist eine Hetäre, eine unfrei bei Hof gehaltene Sexarbeiterin, die am liebsten das ganze alte System auf einmal in die Luft jagen würde.
»We Are Family« erzählt den Mythos um die Herrscherfamilie der Atriden aus heutiger Sicht und befragt die sogenannte »Wiege unserer Demokratie« neu.
Dabei handelt es sich keineswegs um eine nüchterne Aufbereitung antiker Überlieferungen:
Ein Kampf der Geschlechter entfaltet sich, als die Frauen Mykenes in Abwesenheit der Männer ein neues Gesellschaftssystem errichten, das nicht auf patriarchalen, klassistischen und kriegerischen Werten, sondern auf Solidarität, Gleichberechtigung und Frieden beruhen soll. Der populistische Backlash macht sich derweil vor den Türen des Palasts bereit …
Klare Regiehandschrift, spektakuläres Bühnenbild und Kostüme mit popkulturellen Elementen
»We Are Family« ist nach »Pirsch« (2023) und »Nora« (2024) Jana Vettens dritte Inszenierung am Theater und Orchester Heidelberg. Ihre Regiearbeit zeichnet sich vor allem durch große Sensibilität, formale Klarheit und emotionale Wucht aus.
Mit »Pirsch« eröffnete sie 2023 die 40. Ausgabe des Heidelberger Stückemarkts. Mit »Nora« überzeugte sie die FAUST-Preis-Jury mit einer gegenwärtigen Lesart des Stücks sowie einer starken Frauenfigur, die ihre eigene Geschichte in die Hand nimmt. Solche feministischen Erzählmuster finden sich auch in »We Are Family« wieder. Besonders treibt Jana Vetten die Frage um, welche Formen des Zusammenlebens in dem Machtvakuum erblühen können, das der Rückzug des Patriarchats hinterlässt.
Das eindrucksvolle Bühnenbild von Camilla Hägebarth hat einige Überraschungen zu bieten: Ein zwei mal sechs Meter großer Marmorblock schmückt die Mitte der Marguerre-Saal-Bühne und kommt im Laufe des Stücks vielfältig, unter anderem schwebend, zum Einsatz.
Die Kostüme von Eugenia Leis bestehen aus antik-archaischen Elementen, gepaart mit popkulturellen Einflüssen.
Das Publikum darf sich neben Musik von Cornelius Borgolte auf ein großes Ensemble freuen, bestehend aus Henriette Blumenau, Friedrich Witte, Steffen Gangloff, Katharina Quast, Nele Christoph, Martin Wißner, Helene Krüger und Leon Maria Spiegelberg.