Menschen die noch hätten leben können

Opfer des Nationalsozialismus in der Sammlung Prinzhorn

Die Ausstellung „Menschen die noch hätten leben können“ zeigt einen ungewöhnlichen Querschnitt der Sammlung Prinzhorn: 150 sehr unterschiedliche Werke aus dem gesamten 20. Jahrhundert. Neben einem Klassiker des Bestandes, der „Lufterscheinung“ von Otto Stuß (1909), sind zum Beispiel eine Auswahl der 1800 Blumenpastelle von der jüdischen Germanistin Hanna Hellmann zu sehen, die sie von 1939 bis 1942 in der Anstalt zeichnete, und plakative Porträts von NS-Persönlichkeiten, die Theodor Wagemann in den 1980er Jahren in einem Heim produzierte. Was diese Werke verbindet? Ihre Autoren sind Opfer nationalsozialistischer Verbrechen geworden.

Das Gedenken an die Opfer der Psychiatrie im Nationalsozialismus ist seit Bestehen des Museums ein wichtiges Anliegen des Hauses. Als eine der ersten Ausstellungen wurde 2002/03 die Schau „Todesursache: Euthanasie. Verdeckte Morde in der NS-Zeit“ gezeigt. In den folgenden Jahren erweiterte vor allem Sabine Hohnholz, die ehemalige Archivarin der Sammlung, die biographische Forschung zu Patientenkünstler der Sammlung stetig, zumal auch andernorts sich die Recherchemöglichkeiten zu Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen vermehrten. Damit ist nun ein neuer, wenn auch sicher kein endgültiger Forschungsstand erreicht, der die Basis für die aktuelle Ausstellung bildet. Diese bezieht auch Opfer der Zwangssterilisation und von Konzentrations- und Vernichtungslagern ein. Den zugehörigen Katalog mit Rekonstruktionen von Lebens- und Leidensgeschichten sowie Analysen der überlieferten Werke entwickelte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Museumsdirektor PD Dr. Thomas Röske und der Medizinhistorikerin Prof. Dr. Maike Rotzoll.

Die ausgestellten Arbeiten vermitteln einen Eindruck von den Persönlichkeiten hinter den Schöpfungen. Über sie ist eine Form der Annäherung an Opfer nationalsozialistischer Verbrechen möglich, die Zahlen, Fotos oder dürre Fakten nicht erlauben. Die Ausstellung versteht sich insofern als einen Betrag zur Erinnerungskultur.

Die Veranstaltung ist beendet.

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