Le Groupe des Six entzückte ihre Zeitgenossen mit raffinierten Melodien und kuriosen Einfällen. Beides hat auch heute nichts von seinem Charme verloren, den die Musikfreunde Heidelberg bei ihrem Winterkonzert auf dem Schloss lebendig werden lassen.
Die Groupe des Six entlehnte ihren Namen der russischen Gruppe der Fünf. Im Gegensatz zu diesem „mächtigen Häuflein“ waren die Franzosen und eine Französin wohl ein humoriges Ensemble, das sich auf Jahrmärkten, im Zirkus oder in Bars traf. Ihre Musik spiegelt den Klang nächtlicher Boulevards, Varietés und Jazz-Kneipen der 1920er-Jahre.
Der Dichter Jean Cocteau lud 15 Komponierende zu einem Vortragsabend ein, erschienen waren nur sechs – so entstand die Gruppe. Über sie sagte er später: „Ich habe Ihren Blumenstrauß in dieselbe Vase mit Wasser gestellt.“ Das Treffen war zufällig, doch sie verband ein gemeinsames Ziel: weg von der überladenen Spätromantik. Cocteau forderte eine „Musik, die fest auf Erden steht“ – Alltagsmusik, die auch Varieté und absurden Humor zuließ.
Die Werke der Gruppe sind jedoch weit mehr als Klamauk. Es sind fein gewebte Meisterwerke, die immer wieder überraschen: etwa Francis Poulencs Sinfonietta mit ihren plötzlichen Akkorden oder Darius Milhauds „Bœuf sur le toit“, das Tangos, Sambas und portugiesischen Fado vereint. Der Titel stammt von einem brasilianischen Volkslied – die skurrile Handlung erschließt sich am besten beim Hören selbst.
Ähnlich verblüffend ist die Ballettmusik zu „Die Hochzeit auf dem Eiffelturm“. Der dort enthaltene „Valse des dépêches“, der auch im Heidelberger Schloss erklingt, ist entgegen aller Erwartungen allerliebst. Der Walzer parodiert den klassischen Spitzentanz, wobei die Tänzerinnen im Dreivierteltakt ihr Gleichgewicht verlieren.
Unter den musikalischen Lokomotiven ragt Arthur Honeggers „Pacific 231“ heraus. Das Werk ahmt nicht nur eine Dampflok nach, sondern konstruiert Technik musikalisch neu: Von schweren Anfangsakkorden steigert sich die Musik zu rasender Fahrt, bevor sie eindrucksvoll abbremst.
Jedes einzelne Stück – so viel versprechen die Musikfreunde – enthält einen Schuss Irrwitz, den französische Raffinesse elegant abrundet. Beste Unterhaltung im ehrwürdigen Heidelberger Schloss ist garantiert.



