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Didier Eribon

DATUM

22. Juni  um  20:00

VERANSTALTUNGSORT

Universitätsplatz

ADRESSE

Universitätsplatz, Heidelberg
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Beschreibung

Didier EribonEine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben

Eigentlich hatte Didier Eribon sich vorgenommen, ab jetzt regelmäßig nach Fismes zu
fahren. Doch seine Mutter stirbt wenige Wochen nach ihrem Umzug in ein Pflegeheim in
dem kleinen Ort in der Champagne. Wie in seinem autofiktionalen Essay Rückkehr nach
Reims wird dieser Einschnitt zum Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit.
Eribon rekonstruiert die von Knappheit und Zwängen bestimmte Biografie einer Frau, die an
einen brutalen Ehemann gekettet blieb und sich sogar in ihren Träumen bescheiden musste.
„Meine Mutter“, hält er fest, „war ihr ganzes Leben lang unglücklich.“

Didier Eribons neues Buch ist hochpolitisch: Er legt schonungslos dar, wie sehr die Politik,
aber auch die Philosophie, im Grunde die gesamte Gesellschaft die skandalöse Situation
vieler alter Menschen lange verdrängt haben. Zugleich erweist er sich erneut als großer
Erzähler: Anhand suggestiver Episoden und berührender Erinnerungen zeigt er, wie wichtig
Familie und Herkunft für unsere Identität sind. Er kauft ein Dialekt-Wörterbuch, um noch
einmal die Stimme seiner Mutter im Ohr zu haben. So entfaltet der Soziologe das Porträt
einer untergegangenen Welt: des Milieus der französischen Arbeiterklasse – mit ihren
Sorgen, ihrer Solidarität, ihren Vorurteilen.

Didier Eribon, geboren 1953 in Reims, ist ein französischer Soziologe, Autor und Philosoph.
Seine Mutter arbeitete als Putzfrau, der Vater war Fabrikarbeiter. An seine Heimatstadt
erinnert er sich „als Stadt der Beleidigung“, in der er als Arbeiterkind, aber auch wegen
seiner Homosexualität herabgewürdigt wurde. Es gelang ihm, zum Philosophiestudium
zugelassen zu werden. Eribon arbeitete u. a. als Journalist, veröffentlichte auch zahlreiche
Bücher, darunter Gesprächs- und Interviewbände mit Claude Lévi-Strauss und Ernst
Gombrich sowie eine viel beachtete Biografie Michel Foucaults. Sein Essay Rückkehr nach
Reims wurde als literarisches Ereignis und Schlüsseltext zum Aufstieg des
Rechtspopulismus rezipiert.

Eine Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Kulturkreis (dfk) Heidelberg und feeLit.
Internationales Literaturfestival Heidelberg

Universitätsplatz, Heidelberg

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