Wo beginnt das, was wir Heimat nennen, und was geschieht, wenn dieser Ursprung zu verschwinden droht? Amazonien steht sinnbildlich für diesen Verlust: ein Ort, an dem Natur, Kultur und Identität untrennbar miteinander verbunden sind und dessen Gleichgewicht zunehmend ins Wanken gerät. Wenn Wälder verschwinden, verschwinden auch Geschichten, Sprachen und Lebensformen – ein Teil menschlicher Erinnerung.
Der in Mannheim lebende brasilianische Künstler Francisco Klinger Carvalho, geboren im Bundesstaat Pará, beschäftigt sich seit über drei Jahrzehnten mit diesem fragilen Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft. Seine Werke spiegeln die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Frage nach dem, was bleibt, wenn Heimat sich wandelt.
Besondere Aktualität erhält die Ausstellung durch die UN-Weltklimakonferenz COP-30, die Mitte November 2025 in Belém do Pará, im Herzen Amazoniens, stattfindet. „Ich bin dort geboren, genau an dem Ort, an dem die Welt über unsere gemeinsame Zukunft verhandeln wird“, sagt Klinger Carvalho. „Diese Ausstellung ist mein Beitrag, die Stimme Amazoniens hörbar zu machen, als lebendige Erinnerung an unsere Verbundenheit mit der Erde.“
Eliana De Simone vom Deutsch-Brasilianischen Verein Entre Águas e. V., Kuratorin der Ausstellung, betont: „Amazonien: Genesis in Gefahr greift künstlerisch jene Fragen auf, die auch die COP-30 bewegen: Wie lässt sich das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur bewahren und welche Rolle spielt Kultur im globalen Nachhaltigkeitsdialog?“
Auch Bonka von Bredow, Leiterin des Interkulturellen Zentrums Heidelberg, hebt hervor: „Die Ausstellung berührt auf besondere Weise das Thema Heimat, nicht als festen Ort, sondern als lebendige Erinnerung, die uns mit unserer Herkunft und der Welt verbindet. Gerade in einer Zeit globaler Veränderungen ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen kulturelle Erinnerung sichtbar wird und neue Formen von Zugehörigkeit entstehen können.“
Mit ihrem meditativen Charakter ist die Ausstellung Mahnung und Einladung zugleich: eine Einladung, den Ursprung des Lebens neu zu betrachten und die eigene Verbindung zur Welt zu spüren.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Deutsch-Brasilianischen Verein Entre Águas e. V. (VEA) statt. Der Verein Bunte Brise e. V. gestaltet einen Teil des Rahmenprogramms.

Rahmenprogramm
Begleitend zur Ausstellung lädt das Interkulturelle Zentrum zu einem vielfältigen Programm ein:
Eröffnung
Samstag, 8. November 2025, 18.00 Uhr im Interkulturellen Zentrum
Eröffnung der Ausstellung durch Martina Pfister, Bürgermeisterin für Kultur, Bürgerservice und Kreativwirtschaft. Musikalische Begleitung durch Melissa Leão und Marcos Flávio Nogueira.
Künstlergespräch
Donnerstag, 13. November 2025, 18.00 Uhr im Interkulturellen Zentrum
Eliana De Simone, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung, im Gespräch mit Francisco Klinger Carvalho.
Kinderlesung (auf Deutsch)
Samstag, 15. November 2025, 15.00 Uhr im Interkulturellen Zentrum
Lesung aus Kinderbüchern von brasilianischen und deutschen Autorinnen/Autoren.
Gespräch mit Lileia Pedro de Almeida
Donnerstag, 20. November 2025, 18.00 Uhr im Institut für Übersetzen und Dolmetschen, Universität Heidelberg / KS II (Konferenz Saal II) , Plöck 57a, 69117 Heidelberg
Gespräch mit der Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin des Guarani-Kaiowá Volkes aus Mato Grosso do Sul, Brasilien. Live-Schaltung mit Simultanverdolmetschung.
Dreitägiges Programm: Klimagerechtigkeit – Menschenrechte – Kunst am Amazonas
Mittwoch, 26. bis Freitag, 28. November 2025 (ganztägig) im Interkulturellen Zentrum
Workshops und Abendprogramm mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Filmabend, südamerikanische Tänze und Trachten
Abschlusskonzert mit den Almazonicos am 28. November 2025
Ganzes Programm auf www.bunte-brise.org
Alle Veranstaltungen (außer das Gespräch mit Lileia Pedro de Almeida) finden im: Interkulturellen Zentrum Heidelberg, Kleiner Saal, Bergheimer Straße 147, 69115 Heidelberg statt.
Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag bis Donnerstag 10.00–16.00 Uhr, Samstag 14.00–17.00 Uhr
Eintritt ist frei. Anmeldung für die Veranstaltungen unter iz@heidelberg.de